Digitalisierung ist nicht nur für Berufstätige wichtig

Vergangenes Wochenende haben wir, also mein Mann, mein Opa und ich wieder einmal meinen Onkel besucht.

Ich kenne meinen Onkel Zeit meines Lebens als Einwohner eines Pflegeheims der Barmherzigen Brüder. Ich bin ja nun doch schon im meinem 43. Lebensjahr, man kann also sagen, ich kenne auch das Heim schon sehr lange. Im Lauf der Zeit konnte ich miterleben, wie das Haupthaus um diverse Nebenbauten und auch moderne Technik erweitert wurde. Zu letzterer zählt zum Beispiel ein Touchdisplay in der Nähe der Cafeteria, das wichtige Informationen zum Heim und auch den wöchentlichen Speiseplan in der Kantine anzeigt. Auch die angebotenen Werkstücke im Werkstattladen haben sich mit den Jahren verändert und dem Zeitgeist angepasst.

Was jedoch auffällt, und noch nicht aktuellen Bedürfnissen angepasst wurde: In der Cafeteria, wo sich viele Bewohner und deren Besucher aufhalten, gibt es noch immer kein WLAN. Soweit ich informiert bin gibt es hier Verwaltungshürden.

Jetzt kann man natürlich sagen, ist ja egal, wenn es da kein WLAN gibt.  Die Bewohner brauchen das nicht.

Aber: Mag sein, daß in diesem Pflegeheim überwiegend geistig behinderte Pflegebedürftige wohnen, aber deshalb sind diese noch lange nicht dumm. Mit meinem Onkel zum Beispiel – der gut auf Medikamente eingestellt ist – kann man sich sehr gut über aktuelle Geschehnisse unterhalten. Er ist immer gut informiert.

Eine Wohngruppe ist sogar so eigenständig, daß eine Wohnung im nächstgelegenen Ort angemietet wurde und diese Wohngruppe nun eine WG gebildet hat und den Großteil des Alltags dort selbständig meistert.

Mit anderen fällt die Kommunikation etwas schwerer, aber immer mehr von den Bewohnern haben bereits Smartphones.

Mein Onkel selbst besitzt zwar kein Smartphone, er ist letztes Jahr in Rente gegangen und ist der Meinung, keines zu benötigen, aber die meisten seiner Mitbewohner sind jünger als er und nutzen natürlich auch WhatsApp.

Und klar: Wo kein WLAN und kein Internet (LTE ist dort ein Fremdwort, man bekommt maximal E), da auch kein WhatsApp.

Ich möchte jetzt keine Werbung für diesen Messenger machen, es gibt ja auch noch Telegram, Threema oder andere dieser Art, aber alle haben sie eines gemeinsam: Die schnelle und unkomplizierte Art, mit anderen in Kontakt zu bleiben, vor allem mit Freunden und Familie. Ich persönlich finde, das ist ein wichtiger Schritt zur Inklusion, und gerade für Menschen, die nicht jederzeit hingehen können wo sie wollen, essentiell. Auch deshalb muß die Digitalisierung und der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben werden. Lassen wir auch Heimbewohner nicht im Regen stehen, die einen Großteil des Tages in der Cafeteria verbringen, und dort Gemeinschaft mit ihren Mitbewohnern suchen. Schließen wir sie nicht aus!

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