Klimawandel stoppen? So wird das nix!

 

 

Derzeit ist in Bayern ja Wahlkampf. Im Rahmen dessen und als politisch Interessierte (und nicht als Kandidatin) war ich kürzlich auf zwei Podiumsdiskussionen: eine war in Landsberg und eine in Geltendorf. 

Ich muß sagen, nach dem Besuch der Veranstaltungen habe ich innerlich gekocht.

Warum? Die Partei, deren Namen ich nun jetzt NICHT nennen werde – jeder kann sich seinen eigenen Teil dazu denken – geht damit hausieren, daß sie eine „ideologiefreie Forschung“ möchte, besonders im Hinblick auf eAutos. Denn die Technologie stecke ja noch in den Kinderschuhen.   Und ein Besucher, von dem bekannt ist, daß er dieser Partei in Landsberg nahe steht, erzählte, er sei kürzlich an einem Gletscher gewesen, und er kann sich nicht vorstellen, daß der Mensch noch irgendwas tun könne, um den Klimawandel zu verlangsamen.

Ich kann’s wirklich nicht mehr hören: Diese Partei – wie auch Trump – leugnet den Klimawandel. Und würde am liebsten Gallone um Gallone Öl verfeuern um noch mehr zur Erderwärmung beizutragen, anstelle auf regenerative Energien umzusteigen. Und hier gibt es bei weitem nicht nur die vielzitierte Windenergie. Oder aber neue AKWs bauen.

Derweil gibts Tote in Mallorca, bei einem noch selten dagewesenen Unwetter, und vor wenigen Tagen tobte ein Hurrican der Kategorie 4 durch Florida. Weltweit steigt nicht nur der Meeresspiegel und die Zahl der Erdrutsche, sondern auch noch die Zahl verheerender Waldbrände und die Zahl der Klimaflüchtlinge. Extremwetterereignisse treten häufiger und heftiger auf, aber ich glaube, eine gewisse Personengruppe würde den Klimawandel selbst dann noch leugnen, wenn sie mitten in Deutschland von einem Tornado nach Oz geblasen würde.

Deutschland war dieses Jahr so trocken wie lange nicht mehr, so sehr, daß Flüsse derart Niedrigwasser hatten, daß Munition aus dem zweiten Weltkrieg dort auftauchte. Andere Flüsse oder Bäche gar trockneten ganz aus und der Edersee gab die Brücke eines seinerzeit gefluteten Dorfs frei, so daß Besucher über jene spazieren konnten, was sonst nur in mehreren Metern Wassertiefe möglich wäre.

Und weil das ja noch nicht reicht, wollen Millionen von Deutschen den Diesel „retten“. Weil es ja kein günstigeres Auto als einen Diesel gibt, besonders als Pendler.

Hält man dagegen, wie viel günstiger ein Hybrid in Unterhalt und Verbrauch ist, kommt wieder die alte Leier, das wäre ja alles noch nicht erforscht und nix wäre billiger als ein Diesel blablabla…. Spätestens wenn man vorrechnet, wie viel alleine man an Steuern spart, ist man in dieser Runde überflüssig und kann froh sein, nicht umgehend des Tisches verwiesen zu werden.

Nur mal so: wir fahren mittlerweile den zweiten Prius aus Überzeugung, weil wir noch kein Auto gefunden haben, das in dieser Größe derart günstig im Unterhalt ist, und unser Zweitauto ist ein kleiner eFlitzer, den wir seit 2015 fahren.

Unser Hybrid, der Prius (kleine Randnotiz: der erste Prius fuhr bereits in den 80er Jahren als Testauto über die Straßen, und wird seit 1997 in Serie verkauft – also seit mehr als 20 Jahren!), kostet uns 36 Euro Steuern im Jahr (mein A3, ein Diesel, kostete uns 340 Euro Steuern im Jahr, also mehr als das zehnfache) und braucht nur etwas mehr als 4 Liter auf 100 Kilometer, während der A3 – damals schon sparsam – 7 Liter Diesel auf 100 Kilometer brauchte. Wir verbrauchen also fast 3 Liter auf 100 Kilometer weniger Treibstoff als früher, und rechnet man unseren kleinen eFlitzer mit ein, mit dem ich mittlerweile in die Arbeit fahre, sparen wir noch weitaus mehr.

Seit Anfang Oktober arbeite ich nun 10 Kilometer von zuhause entfernt, und unser kleiner Flitzer kann nicht nur 80 km/h fahren, sondern hat – bei der Art der Strecke die ich fahre – ca. 60 km Reichweite mit einer Ladung. Die Ladung selbst kostet übrigens in etwa so viel, als würde ich mein Smartphone aufladen.

-> Edit: Ich hatte hier falsche Zahlen im Kopf. Eine Ladung für den Twizy sind ca. 6 Kilowattstunden was in etwa 1,50 € entspricht, je nach Strompreis. Ist aber – finde ich – immer noch günstiger als mit einem herkömmlichen Benzinmotor. (Ich finde auch Wasserstoffautos gut, aber leider haben wir hier noch eine schlechte Infrastruktur was das Tanken angeht. Was schade ist, denn Wasserstoff fällt in der Industrie so oder so als Abfallprodukt an – dann hätte man da gleich Verwendung dafür. Hier gefällt mir der Mirai von Toyota recht gut, aber der ist leider noch etwas teuer….)

Und ich brauche keinen Starkstrom dafür, da reicht eine stinknormale Steckdose in der Tiefgarage, über die ich auch einen Staubsauger anschließen kann. Der Strom kommt bei uns von EON, und dort wo ich wohne, gewinnt EON diesen aus reiner Wasserkraft. (Die Bahn fährt übrigens mit Kohlestrom)

Natürlich verbrauchen auch wir noch weiterhin CO2, aber doch bei weitem weniger als mit herkömmlichen Autos, ohne etwas von unserer Mobilität einzubüssen. Das einzige, was wir einbüßen, ist ein Teil unserer Kosten. Abgesehen davon, daß der Fahrspaß bei beiden Autos nicht zu kurz kommt.

Also soll mir niemand erzählen, daß Hybrid- und Elektrofahrzeuge noch in den Kinderschuhen stecken!

Dieselfahrzeuge haben meiner Ansicht nach nur da eine Berechtigung, wo es noch keine wirkliche Alternative gibt. Das Gleiche gilt für Spritschleudern die nur aus Prestigegründen gekauft werden. Wer einen SUV will kann sich zum Beispiel den C-HR von Toyota holen, der ebenfalls nur etwas mehr als 3 Liter auf 100 braucht.

Wenn diejenigen, die sich jetzt ein neues Auto zulegen, nicht auf einem Diesel oder ein anderes Auto bestehen, das mehr als 5 Liter Treibstoff auf 100 benötigt, wäre schon viel fürs Klima getan. Natürlich sollte man sich dann nicht jedes Jahr ein neues Auto kaufen, sondern sein Fahrzeug möglichst lange fahren. Auf lange Sicht sind E-Autos und Hybride durch die hohe Laufleistung (unser letzter Prius schaffte immerhin 257.000 km und wurde nur ersetzt, weil der Benzinmotor langsam schwächelte, nicht die Batterie – welche noch die Originale aus der Fabrik war) ökologischer und ökonomischer als herkömmliche Autos.

Dazu sollte man bedenken: Nur weil ein Benziner oder Diesel anfangs eine bessere Klimabilanz aufweist, wird auch dieses Fahrzeug nicht klimaneutral gebaut, im Gegenteil!

Was ich mir auch wünschen würde: Neue Energiekonzepte oder auch neue Beleuchtungskonzepte. Seit Jahrzenten, wenn nicht gar seit Erfindung der Gaslampen im vorletzten Jahrhundert, beleuchten wir unsere Städte sobald die Dämmerung in Sicht ist. Lange Zeit war das aus Sicherheitsgründen auch dringend notwendig, heute weiß man, daß es nicht nur eine „Luftverschmutzung“ sondern auch eine „Lichtverschmutzung“ gibt, die auch schädlich für Mensch und Natur ist.

Seit einiger Zeit gibt es die tolle Erfindung des Bewegungsmelders – warum findet sich nicht ein findiger Erfinder, der ein Beleutungskonzept für Städte entwirft, wo immer nur der derzeit benötigte Teil illuminiert wird? Man könnte Schaufenster- und Straßenbeleuchtungen mit intelligenten Bewegungsmeldern ausstatten, die immer dann für die nötige Beleuchtung sorgen, wenn sich jemand auf 300 Metern nähert. Das wäre mehr als genug Licht! Muß eine ganze Stadt oder ein Dorf die ganze Nacht lang hell erleuchtet sein, wenn vielleicht nur einer auf der Straße unterwegs ist? Man denke mal an die Unmengen an Energie, die man damit einsparen könnte!

Dazu kann jeder für sich überlegen, ob er zum Beispiel wirklich Licht braucht, wenn das Zimmer durch die Sonne hell erleuchtet ist, oder ob man die Wohnung im Winter wirklich auf 25 Grad heizen muss, wenn man schon bei 21 nicht mehr friert.

Und dann kriegen wir – vielleicht – auch noch den Rest hin, und retten unser Zuhause – unsere Erde – für die nächste und die übernächste Generation. Anstatt immer nur „denkt an die Kinder!“ zu rufen und sich im nächsten Laden nach dem neuesten Amarok umzuschauen.

Melanie Tietgen
Melanie Tietgen

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